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28.05.2024

Oberhessisches Museum stellt neues Konzept der Gemäldegalerie vor

In den letzten Monaten hat das Museum neben der laufenden Neugestaltung der Dauerausstellung am Kirchenplatz auch ein neues Konzept für die Gemäldegalerie im Alten Schloss entwickelt. Passend zur geplanten Präsentation in der neuen Dauerausstellung, die einen thematischen Schwerpunkt auf Objekte mit Gießen-Bezug legt, soll dieser nun auch in der Gemäldegalerie in den Mittelpunkt rücken. Auch die Sammlungsgeschichte des Museums soll anhand der gezeigten Gemälde hervorgehoben werden. Aufmerksame Besucher*innen werden bereits in den letzten Monaten kleine Veränderungen in der Gemäldegalerie entdeckt haben. Einige Gemälde sind neu hinzugekommen, andere haben einen neuen Platz erhalten oder sind ins Depot umgezogen. Ab dem 28.05.2024 können Besucher*innen die Gemäldegalerie nun auf einem thematischen Rundgang und im neuen Look erkunden.

Rundgang durch die Gemäldegalerie

Ein Ziel der Neukonzeption ist es, das Thema „Kunst“ für die Besucher*innen leichter zugänglich zu machen. Deshalb beginnt der Rundgang mit der Erklärung der unterschiedlichen Bestandteile eines Gemäldes (Rahmen, Bildträger etc.) sowie des Objektschildes, um ganz grundlegend ein erstes Verständnis für ein Kunstwerk zu schaffen und die Arbeit mit diesem (z.B. anhand der Inventarnummer) zu erklären.

An einer Neuerwerbung wird zu Beginn die neue Sammlungsstrategie des Museums erläutert. Ausgewählte Werke zeigen außerdem den Blick auf Gießen und die Region durch die Augen von Künstlern wie Heinrich Will, Heinz Geilfus und Carl Engel zur Rabenau. Einige der Künstler verbrachten ihr gesamtes Leben in der Stadt und ihrer Umgebung, andere wiederum nur eine kurze Zeit. Die Gemälde zeigen Gießen oder den Gleiberg sowie Momentaufnahmen, wie das lebhafte Treiben im damaligen Lahnbad oder auf dem Wochenmarkt, der für viele Gießener*innen auch heute noch ein beliebter Treffpunkt ist.

Auch die Gießener Kunstszene, die von vielen Künstler*innen geprägt wurde, von denen einige, wie z. B. Hein Heckroth, auch überregionale Bedeutung erlangten, erhält einen Platz im neuen Rundgang. Zwischen den Gießener Künstler*innen gab es viele Vernetzungen und einige der gezeigten Werke stammen von Künstler*innen, die dem Oberhessischen Künstlerbund e.V. (OKB) angehörten und angehören. Einen eigenen Platz erhält die Porträtmalerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Einige der dargestellten Personen haben einen Bezug zu Gießen, andere wiederum wurden von Gießener Künstler*innen geschaffen und zwei Objekttitel werden hier zukünftig genauer unter die Lupe genommen.

Zwei Künstlergruppen behalten nach wie vor ihren Platz in der Gemäldegalerie und werden in den Kontext ihrer Zeit gesetzt, da sie von wesentlicher Bedeutung für die Entwicklung der Nachkriegskunst in Deutschland waren: Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es in Deutschland zur Bildung zahlreicher neuer Künstler*innengruppen wie der Quadriga und ZEN 49. Charakteristisch für diese Gruppierungen war das Zusammenkommen ungegenständlich, also abstrakt, arbeitender Maler*innen mit gemeinsamen Interessen, jedoch ohne gemeinsames Konzept. Obwohl sich die Situation für deutsche Künstler*innen nach 1945 aufgrund von Materialknappheit und dem eingeschränkten Anschluss an die internationale Kunstszene zunächst schwierig gestaltete, fanden schon bald erste Ausstellungen statt. Im Juli 1949 wurde in der Münchener Galerie Otto Stangl die „Gruppe der Gegenstandslosen“ gegründet, die wenig später als Künstlergruppe ZEN 49 bekannt wurde und bis ins Jahr 1957 bestand. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die abstrakte Kunst durch gemeinsame Ausstellungen, Vorträge und Publikationen zu verbreiten und Netzwerke zu schaffen.

Die Künstler Bernard Schultze, Heinz Kreutz, Otto Greis und Karl Otto Götz stellten ihre Werke am 11. Dezember 1952 zum ersten Mal gemeinsam als Gruppe in der Zimmergalerie Franck in Frankfurt aus. Die seitdem Quadriga genannte Künstlergruppe steht beispielhaft für das Zusammenkommen verschiedener Stile unter dem Begriff Informel. Obwohl die Quadriga nur bis 1954 als Gruppe gemeinsam ausstellte, nahm sie in dieser kurzen Zeit großen Einfluss auf die weitere Entwicklung des deutschen Kunstgeschehens.

Anhand der Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst wird der alte Sammlungsschwerpunkt von den 1980er bis in die 2010er Jahre thematisiert. Es wurden zahlreiche Werke von regionalen und überregionalen Künstler*innen in die Sammlung aufgenommen. Dieser Teil der Sammlung repräsentiert die Weiterentwicklung der abstrakten Malerei bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Künstler*innen setzen sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit Formen, Farben und dem Spiel zwischen Licht und Schatten auseinander. Anhand einiger Werke wird am Ende des Rundgangs die vielfältige Bandbreite gezeigt und die Besucher*innen werden an einer Vermittlungsstation dazu eingeladen, inspiriert durch die Kunst, selbst aktiv zu werden und sich kreativ mit dem Gesehenen auseinanderzusetzen. Beispielsweise können Formen, Muster, Figuren und Schatten gezeichnet oder nachgebaut werden.

Work in Progress

Der thematische Rundgang durch die Gemäldegalerie ist erst der Anfang. Auch in den nächsten Monaten werden die Besucher*innen Neues entdecken können. Zukünftig sind weitere Vermittlungsebenen geplant, durch die Wissen leichter zugänglich gemacht wird, sodass Kunst für alle erfahrbar und verständlich wird.

Oberhessisches Museum, Altes Schloss, 2. OG
Öffnungszeiten: Di bis So 11:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt frei
Lange Donnerstage, z.B. 27.06., 11.07. und 22.08., bis 19:00 Uhr

Veranstaltungen in der Gemäldegalerie
Mi. 28.08., 12:30 Uhr
Für den kurzen Kunstgenuss in der Mittagspause
Martin de Jong, Wissenschaftlicher Mittarbeiter am Botanischen Garten, stellt ein Gemälde unter botanischen Gesichtspunkten vor.

Führungen können auch individuell gebucht werden: Kontaktieren Sie uns unter museum@giessen.de oder rufen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne.
Schulklassen sind nach Vereinbarung bereits ab 8 Uhr willkommen.

Mehr Infos und Details zu den Veranstaltungen in der Gemäldegalerie unter Oberhessisches Museum.

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