Goldener Engel - Skulptur
Standort: Marktplatz/Schulstraße | Standort in der Karte
Stadtteil/Bezirk: Innenstadt, Zentrum
Künstler: Fritz Bartsch-Hofer, Gießen/Bad Nauheim
Material: Bronzeguss, auf Sockel
Entstehung: 1956, Auftrag August Haubrich
Aufstellung: 1956
Eigentümer: Hausbesitzer
Beschreibung: Der Goldene Engel zwischen Kirchen- und Marktplatz leuchtet weithin im Sonnenschein. Er steht auf dem Dach der Engel-Apotheke, die zu den ältesten Apotheken Gießens zählt. Der Name Engel-Apotheke war eine Auszeichnung für Universitäts- und Hoflieferanten. Das vorherige Gebäude mit dem barocken Engel wurde bei der Bombardierung Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört. Für den Neubau gaben die Besitzer (Haubrich) wieder eine Engel-Skulptur in Auftrag, jetzt in moderner Gestaltung. Der Entwurf des stilisierten Engels mit Äskulapstab in der Hand stammt von Fritz Bartsch-Hofer, gefertigt wurde sie in einer Metallwerkstatt. Bei einer Restaurierung 1995 wurde das ursprüngliche Innengerüst durch Stahl ersetzt, das Kupfer der Außenhaut gereinigt und mit einer neuen Schicht aus Blattgold belegt.
Maße: 150 Kilo, Flügelspannweite 1,80 m, Höhe 2,40 m.
Der Engel gehört zu den Skulpturen, die beim Theaterjubiläum 2007 verlebendigt wurden (ebenso Schlammbeiser, Brunnen-Gärtnerin).
Künstler-Vita: Als Fritz Bartsch-Hofer (1915-1990) war er in Gießen bekannt, mit seinem Umzug nach Bad Nauheim 1960 nannte er sich Swen Kuren, um damit seine Neuorientierung vom Gebrauchsmaler zum Künstler zu dokumentieren. Dies führte allerdings zur Namensverwirrung, sogar in der Mitgliedskartei des Oberhessischen Künstlerbunds (OKB) ist er als zwei Personen geführt. Geboren wurde er 1915 in Königsberg/ Ostpreußen, dort studierte der Lehrersohn auch Malerei und Grafik. Dem Geburtsnamen Bartsch fügte er den Beinamen Hofer an, zu Ehren seiner „Salzburger Mutter“, denn kriegsbedingt lebte er eine Weile in Österreich. Als Soldat verschlug es ihn 1939/40 nach Gießen. Er blieb in Hausen, am Fuß des Schiffenbergs, wohnen. Im Künstlernamen Swen Kuren spiegelt sich seine Liebe zu Skandinavien (Swen) und die Verbundenheit zur alten Heimat (Kuren), die er auch in seinen Zeichnungen immer wieder in Erinnerung rief.
Er beherrschte diverse Techniken: Sgraffito, Secco- und Frescomalerei, Mosaik, Majolika und Glasfenster. In der Nachkriegszeit hatte er viele Aufträge für Kirchen (Watzenborn) und Privathäuser, Industriegebäude (Schunk) und öffentliche Einrichtungen (Kreishaus Gießen, Schule in Hungen). Er schuf Kulissen für Laien-Theater, fertigte Urkunden und Werbegrafik, machte Illustrationen für Zeitungen. Auch als Künstler war er erfolgreich, gewann internationale Preise, beteiligte sich u.a. an Ausstellungen des OKB.
Weitere Werke in/um Gießen: Fünf Zeichnungen/Aquarelle im OHM; Wandgemälde hinter Altar der Christus-Kirche in Watzenborn-Steinberg; Gemälde im Verwaltungsgebäude der Fa. Schunk in Heuchelheim; beim Umzug des Landratsamts wurde die von Bartsch-Hofer geschaffene Wandkarte plus Wappen des Landkreises mitgenommen, sie hängt jetzt im Hauptverwaltungsgebäude an den Rivers Barracks. Unwiederbringlich entfernt wurden die Wandmalereien zur Geschichte des Schiffenbergs in der dortigen Gaststätte und das Außenwand-Drahtbild am AWO-Altenheim am Philosophenwald.
Literaturhinweise:
- zur Skulptur: Gießener Allgemeine Zeitung 10.11.1995
- zum Künstler: Diverse Zeitungs(kurz)berichte der mittelhessischen Region 1953-1972, Porträts in Wetterauer Zeitung 22.06.1972; Porträt im Ostpreußenblatt 16.09.1972, S.9; Dagmar Klein in Gießener Allgemeine Zeitung 05.07.2018 (Porträt, Gießen-Bezug)