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Westanlage 46 - Isidor, Dora, Alice und Marianne Margot Rosenbaum

Isidor Rosenbaum
*26.08.1887 in Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt
ermordet im besetzten Polen
Stolperstein verlegt am 23.10.2020

Dora Rosenbaum, geb. Sternberg
*11.05.1891 in Weilburg, Oberlahnkreis
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt
ermordet im besetzten Polen
Stolperstein verlegt am 23.10.2020

Alice Rosenbaum
*29.09.1916 in Gießen
Flucht am 13.05.1938 nach New York, USA
Stolperstein verlegt am 23.10.2020

Marianne Margot Rosenbaum
*01.04.1922 in Gießen
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt
ermordet im besetzten Polen
Stolperstein verlegt am 23.10.2020

 

Standort Stolpersteine Westanlage 46


Isidor Rosenbaum

Isidor Rosenbaum, geb. 26.08.1887 in Gießen, kam im September 1888 von Rodheim/Bieber mit seinen Eltern nach Gießen. Die Familie gehörte der liberalen jüdischen Gemeinde an. Isidor hatte zwei jüngere Geschwister, seinen Bruder Willy und seine Schwester Rosi. Sie starb im Alter von 2 Jahren.

Isidor Rosenbaum heiratete am 11.02.1914 Dora Sternberg, die am 11.05.1891 in Weilburg geboren wurde. Sie hatte drei ältere und einen jüngeren Bruder. Familie Sternberg lebte in der Marburger Straße 44. Der Vater, Salomon Sternberg, betrieb mit seinen Söhnen Julius und Moritz die Seifenfabrik R. Sternberg, Gießen.

Nach mehreren Wohnungswechseln zog Familie Rosenbaum in das Haus in der Westanlage 46.

Isidor Rosenbaum war zusammen mit seinem Vater Samuel und seinem Bruder Willy Inhaber der Firma Samuel Rosenbaum und Söhne, Gießen, Westanlage 46. Sie handelten mit Agrarprodukten, Getreide, Mehl und Futtermitteln. Willy Rosenbaum schied 1920 aus der Firma aus. Nach dem Tod des Vaters führte Isidor sie erfolgreich weiter. Bedingt durch die Boykottmaßnahmen kamen die Geschäfte der Firma 1933 fast zum Erliegen.
Isidor Rosenbaum war Vorsitzender der liberalen jüdischen Gemeinde. Nach der Zerstörung der Synagoge und des Gemeindehauses in der Südanlage in der Pogromnacht 1938 führte er das Gemeindebüro in seiner Wohnung weiter.

Das Anwesen Westanlage 46 musste die Familie 1937 verkaufen. Die Firma wurde mit dem Datum 09.02.1939 im Handelsregister gelöscht. Bis Februar 1941 war es Rosenbaums noch möglich, in ihrem ehemaligen Haus zu wohnen, dann zogen sie in die Liebigstraße 33 in das Haus der Familie Sternberg. Auch diese Wohnung musste Familie Rosenbaum verlassen, sie wurde in das Ghettohaus in der Walltorstraße 48 eingewiesen. Vermutlich konnte Isidor Rosenbaum von dort seine Aufgaben als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde wahrnehmen.

Isidor Rosenbaum, seine Frau Dora und seine Tochter Marianne wurden am 30.09.1942 ab Darmstadt in das besetzte Polen deportiert. Isidor Rosenbaum wurde dort mit seiner Familie ermordet.

 

Text: Christel Buseck

Dora Rosenbaum

Dora Rosenbaum wurde am 11.05.1891 in Weilburg als viertes Kind der Eheleute Salomon und Mathilde Sternberg, geb. Kann, in Weilburg geboren. Sie hatte drei ältere und einen jüngeren Bruder. Die Familie lebte in Gießen in der Marburger Straße 44. Sie gehörte der liberalen jüdischen Gemeinde an. Der Vater Salomon Sternberg war Seifenfabrikant und betrieb mit seinen Söhnen Julius und Moritz die Seifenfabrik R. Sternberg, Gießen, Marburger Straße 44.

Dora heiratete am 11.02.1914 Isidor Rosenbaum. Zunächst wohnte das Ehepaar in der Liebigstraße 33 und zog im Sommer 1934 in die Westanlage 46. Sie hatten zwei Töchter, Alice, geboren am 29.09.1916, und Marianne, geboren am 01.04.1922. Bis Anfang 1940 lebte die Familie in dem roten Backsteinhaus in der Westanlage, musste dann aber in die Liebigstraße 33 umziehen.

Von dort wurden Dora Rosenbaum, ihr Mann Isidor und die Tochter Marianne am 30.09.1942 über Darmstadt in das besetzte Polen deportiert. Dora Rosenbaum wurde ermordet.

 

Text: Christel Buseck

Alice Rosenbaum

Alice Rosenbaum wurde am 29.09.1916 in Gießen geboren. Sie wohnte mit ihren Eltern, Isidor und Dora Rosenbaum, geb. Sternberg, und ihrer jüngeren Schwester Marianne zunächst in der Liebigstraße 33 und ab Juni 1934 in der Westanlage 46. Alice wurde Ostern 1923 eingeschult, vermutlich in die Goetheschule. Sie wechselte zum Schuljahr 1927/28 auf das Lyzeum, die heutige Ricarda-Huch-Schule, und Ostern 1933 auf die Handelsschule. Da ihr die Möglichkeit, im elterlichen Betrieb zu arbeiten durch Boykottmaßnahmen genommen wurde, verließ sie Gießen und ging 1935 nach Berlin. Hier arbeitete sie im Jüdischen Krankenhaus in der Elsässerstraße (heute Torstraße 146 in Berlin-Mitte) als Krankenschwester. Im Februar 1938 kam Alice nach Gießen zurück und emigrierte am 13.05.1938 in die USA.

Sie versuchte zweimal, die Ausreise ihrer Eltern und ihrer Schwester in die USA zu organisieren. Vergeblich. 1939, als sie Durchreisevisa für Kuba erhalten hatte, konnte die Familie Deutschland nicht verlassen. 1941 buchte Alice Rosenbaum mit Unterstützung ihres ebenfalls emigrierten Onkels Dr. Adolf Sternberg, dem jüngeren Bruder ihrer Mutter, Schiffspassagen für ihre Eltern und ihre Schwester nach Uruguay. Auch da war es der Familie nicht mehr möglich, Deutschland zu verlassen.

Alice heiratete 1943 Albin Hirsch in New York City und beide zogen nach Meridan, Connecticut, USA. Ihre beiden Töchter Judith und Deborah leben in New York City und Washington D.C.

 

Text: Christel Buseck

Marianne Margot Rosenbaum

Marianne Margot Rosenbaum wurde am 01.04.1022 in Gießen als zweites Kind der Eheleute Isidor und Dora Rosenbaum, geb. Sternberg, geboren. Sie wohnte mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Alice zunächst in der Liebigstraße 33 und ab Juni 1934 in der Westanlage 46.

Marianne wurde Ostern 1929 in die Goetheschule eingeschult. Ab dem Schuljahr 1932/33 besuchte sie das Lyzeum an der Nordanlage (in der Dammstraße), die heutige Ricarda-Huch-Schule. In einer Zeugnisliste wird sie als turnwillig, eifrig und strebsam beschrieben. Am 30.06.1937 trat Marianne „mit Wissen des Vaters“ aus.

Bis zum Frühjahr 1939 lebte sie in Gießen. Aus den Unterlagen des Frankfurter Stadtarchivs ist zu ersehen, dass sie seit dem 18.12.1939 in Frankfurt lebte. Zunächst wohnte sie im jüdischen Schwesternheim in der Bornheimer Landwehr 85 und später im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde in der Gagernstraße 36, wo sie als Lernschwester arbeitete.

Marianne Rosenbaum kehrte im September 1942 nach Gießen zurück. Sie wurde mit ihren Eltern Mitte September in der Goetheschule interniert und am 30.09.1942 ab Darmstadt in das besetzte Polen deportiert. Marianne Margot Rosenbaum wurde ermordet.

 

Text: Christel Buseck

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