Erleben

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Ludwigstraße 45 - Richard und Paula Rosenthal, Getrude Katz, Ludwig Katz

Richard Rosenthal
*28.04.1878 in Butzbach
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 13.02.2009

Paula Rosenthal, geb. Katz
*09.01.1883 in Steinbach
deportiert am 30.09.1942 ab Darmstadt vermutlich nach Treblinka
ermordet vermutlich in Treblinka
Stolperstein verlegt am 13.02.2009

Gertrude Katz, geb. Rosenthal
*07.11.1910 in Gießen
Flucht 1938 in die USA
überlebte
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

Ludwig Katz
*25.03.1886 in Steinbach
deportiert am 02.04.1942 ab Berlin nach Warschau
ermordet
Stolperstein verlegt am 08.09.2010

 

Standort Stolpersteine Ludwigstraße 45

Richard und Paula Rosenthal

Richard Rosenthal wurde am 28.04.1878 in Butzbach geboren. 1908 heiratete er Paula Katz, Tochter von Gerson Katz III. Richard Rosenthal trat als Teilhaber in die Firma seines Schwiegervaters Firma Katz, Gerson; Immobilien und Hypotheken–Vermittlung, Getreide- und Mühlenfabrikate ein. Nach dem Tod des Schwiegervaters 1936 führte er das Geschäft weiter. Das Geschäft konnte bis November 1937 betrieben werden und wurde zum 29.01.1938 im Handelsregister gelöscht.

Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, Gertrude, sie emigrierte 1938 nach Berneville/USA, heiratete und lebte später in New York.

Richard Rosenthal wurde nach der Pogromnacht verhaftet und kam in das Konzentrationslager Dachau. Seine Frau versuchte über Freunde für ihn eine Einreise nach England zu erlangen, sie selbst wollte später nachkommen. Nach Kriegsausbruch wurde diese Hoffnung zunichte. Nachdem sie gezwungen worden waren, das Haus zu verkaufen, blieb das Ehepaar Rosenthal in seiner Wohnung und wurde verpflichtet, weitere jüdische Menschen bei sich aufzunehmen. Bis Anfang 1941 war dies möglich, dann mussten sie in das Ghettohaus Landgrafenstraße 8 ziehen.

Richard Rosenthal war in der Zeit von 07.04.1940 bis 12.08.1942 zur Zwangsarbeit bei einer Gießener Baufirma verpflichtet.

Mitte September 1942 wurde er mit seiner Frau nach Darmstadt gebracht und von dort vermutlich nach Treblinka deportiert und ermordet.

Gerson Katz III., Paulas Vater, war Viehhändler in Steinbach. Sein Vater Feist Katz hatte seit Mai 1858 als Ortsbürger dort gelebt. 1878 übernahm Gerson Katz III.  das Anwesen seines Vaters in der Lahnstraße 14 in Steinbach. Er ließ die Firma „Gerson Katz, Vieh- und Pferdehandel mit Landesprodukten“1 beim Amtsgericht in Gießen eintragen. Gerson Katz III. war verheiratet mit Rosalie Kann aus Mainzlar und hatte fünf Kinder, von denen nur drei das Erwachsenenalter erreichten. Tochter Paula wurde am 09.01.1883 in Steinbach geboren.

1907 erwarb Gerson das Grundstück Ludwigstraße 45 in Gießen, „ein herrschaftliches 3-stöckiges Etagenhaus mit großem Ziergarten, Veranda, Nebengebäude und Riesenhof“.2 Neben dem Handel mit Frucht, Rindvieh und Pferden, Mehl, Salz und Milch war er auch Fuhrmann. Ab 1908 handelte er mit Geld und Immobilien.

Quellen
1 H. Müller und F. Damrath, Juden in Steinbach, 2. Verbesserte Auslage 2010, S. 69
2 Erwin Knauß, Mitteilungen des OHG Band 69, 1984, Brief von Gertrude Katz, geb. Rosenthal, S. 96

Gertrude Katz, geb. Rosenthal

Gertrude Rosenthal wurde am 07.11.1910 als einziges Kind von Paula und Richard Rosenthal in Gießen geboren. Gertrude besuchte die Erweiterte Mädchenschule in der Dammstraße, heute Ricarda-Huch-Schule.

Im August 1934 ging Gertrude für ein Jahr nach Hamburg. Sie wohnte nach ihrer Rückkehr in der Landgrafenstraße 8. Am 23.03.1938 emigrierte Gertrude alleine nach Bernville, Pennsylvania /USA. Ihre Eltern hatten die Hoffnung ihr folgen zu können.

1987 lebte Gertrude Rosenthal unter dem Namen Katz (vermutlich der Ehename) in New York. Sie verstarb dort im Alter von 94 Jahren am 14.06.2005.

Ludwig Katz

Ludwig Katz wurde am 23.03.1886 in Steinbach als 4. Kind der Eheleute Gerson Katz III und seiner Ehefrau Rosalie geb. Kann geboren. Seine Mutter verstarb 13.02.1918. Sein Vater Gerson Katz III war Viehhändler in Steinbach. 1907 erwarb er das Grundstück Ludwigstraße 45 in Gießen.

Ludwig Katz war geistig behindert. Er lebte mit seinem Vater und der Familie seiner älteren Schwester in der Ludwigstraße. Am 05.01.1939 zog er nach Berlin Weißensee in das jüdische Dauernheim. Dieses Heim nahm erwachsene Behinderte auf, die noch eine Tätigkeit ausüben konnten. Die Bewohner konnten auf freiwilliger Basis in der Gärtnerei, der Schneiderei oder im Haushalt der Anstalt arbeiten. Am 02.04.1942 wurde Ludwig Katz von dort nach Trawniki / Warschau deportiert. Er wurde ermordet.  

 

Text: Christel Buseck

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